Wir schrieben das Jahr 2013 als ich beschloss, mit meinem damaligen besten Freund eine WG zu gründen. Ich bewohnte die Wohnung bereits und M. zog bei mir ein. Wir richteten uns die Wohnung her und das Wohnzimmer ein.

M. war zu dieser Zeit arbeitslos. Doch das stellte in sofern kein Problem dar, als dass die Miete ohnehin von der ARGE überwiesen wurde. Eigentlich eine sichere Sache. Das ging auch eine Zeit lang mehr oder weniger gut. Ich bin selbst kein Finanzgenie, aber M. konnte mit Geld überhaupt nicht umgehen. Das führte immer wieder dazu, dass das zur Verfügung stehende Geld nicht über den ganzen Monat ausreichte. Teilweise hat M. es geschafft, das gesamte Geld an nur einem Tag auszugeben.

Die Folge davon war dann oftmals Diebstahl meiner Lebensmittel. Wir trafen eine Vereinbarung: Ich ging zu Beginn des Monats mit M. einkaufen und wir kauften Essen ausreichend für einen ganzen Monat ein. Haltbare und unverderbliche Lebensmittel. Freilich kein Gourmet-Essen und kaum frische Lebensmittel. Aber es reichte für einen Monat und kostete dann summa summarum knappe 35 €. Für einen ganzen Monat Essen. Da blieb noch genug Hartz IV übrig für anderes Vergnügen oder zusätzliches Essen, wenn man wollte.

Ich rede mal nicht um den heißen Brei herum: Das hatte nur begrenzte Zeit geklappt. Genauso wie das vorangegangene Experiment. M. hatte mir Zugang zu seinem Bankkonto gegeben. Das diente dazu, dass ich mir meinen Anteil für Strom und Internet selbst überweisen konnte und dieser somit gesichert war. Zum Anderen war es meine Aufgabe, sein Geld für M. zu verwalten und zu rationieren. M. bekam eine Karte, die zu einem Sparbuch gehörte. Es war also möglich, ein “Taschengeld”, welches wir zuvor errechnet hatten, wöchentlich auf dieses Sparbuch zu überweisen. Mit dieser Karte konnte er es abheben. Die Karte des Hauptkontos hatte ich für ihn verwahrt.

Ich darf an dieser Stelle erwähnen, dass wir dieses Vorgehen genau besprochen hatten und dies dazu diente, ihm bei der Einteilung seines Geldes zu helfen. Leider klappte das nur so lange, bis M. herausfand, dass er am Schalter der Bank auch durch Vorlage des Personalausweises Geld abheben konnte. Schon bald war es mir nicht mehr möglich, das zur Verfügung stehende Geld auf sein Sparbuch zu verschieben, weil einfach keines mehr da war. Dies mündete dann sogar darin, dass M. sein gesamtes Geld abhob und ausgab, noch bevor sein Anteil für Strom und Internet beglichen war.

M. sabotierte sich damit nicht nur selbst, sondern am Ende auch mich. Denn woher sollte ich diese Kosten denn noch einfordern?

Ich war zu dieser Zeit bereits extrem gereizt. M. machte kaum Anstalten, sich um einen Job zu bemühen. Stattdessen saß er den gesamten Tag zuhause und betete den Fernseher an.

Richtig schlimm wurde es dann, als M. irgendwann nach Hause kam und mir eröffnete: “Ich habe einen Job gefunden.” Mir wurde schlagartig schlecht. Man sollte meinen, das wäre eine gute Nachricht, doch tatsächlich bedeutete das vor allem für mich, dass ich nun künftig Probleme haben würde, meinen Miet-Anteil zu erhalten. Denn mit einem Job würde die Miete nicht mehr vom Amt überwiesen, sondern M. hatte nun selbst dafür zu sorgen.

M. hatte einen Aushilfsjob in einer bekannten Getränkemarkt-Kette erhalten. Diesem Job ging er auch nach, soweit ich das beurteilen konnte. Doch ab diesem Tag gab es gar keine Miete mehr. M. erzählte mir, er habe sein Gehalt noch nicht bekommen. Gutmütig wie ich war, wartete ich ab. Inzwischen musste ich die Miete ja selbst bezahlen und tat dies auch. Ich wollte ja nicht aus der Wohnung fliegen.

Auch nach dem zweiten Monat gab mir M. zu verstehen, dass er noch immer keine Gehaltszahlung bekommen hätte. Angeblich habe der Geschäftsführer – mit dem er per “Du” zu sein schien – Probleme mit der Buchhaltung. Insgesamt verstrichen fast 3 Monate in der M. für diesen Getränkemarkt arbeitete und angeblich kein Gehalt kassierte. Ich sprach M. darauf an. Er schilderte mir, dass er darauf hoffe, dass er schon noch Geld bekäme. Kündigen wolle er aber nicht. Die Kollegen dort seien so nett und außerdem wolle er keine Sperre wegen Eigenkündigung bei der Arbeitsagentur riskieren.

Dass das absoluter Quatsch war, war mir sofort klar. Und eine Sperre verhängt die Bundesagentur für Arbeit nicht, wenn die Kündigung gerechtfertigt ist. Ausbleibende Gehaltszahlungen sind ein absolut gerechtfertigter Grund für eine Eigenkündigung. Die Bundesagentur für Arbeit gewährt in diesem Fall sogar Vorschüsse zur Überbrückung. Die Tatsache, dass M. darauf nicht einging und sich weigerte dies in Anspruch zu nehmen, ließt für mich nur einen Schluss zu: Da war was faul.

Möglicherweise arbeitete er gar nicht dort? Dann war es auch logisch, dass er kein Gehalt bekäme. Allerdings besaß er ein Polohemd mit dem Aufdruck des Getränkemarkts. Diese Hemden bekommt man üblicherweise als Arbeitskleidung.

Meine andere Theorie war, dass er dort arbeitete und womöglich doch Gehalt bekam. Vermutlich ließ er sich das Gehalt aber in Bar auszahlen, um es unbemerkt ausgeben zu können, anstatt seinen vertraglichen Mietverpflichtungen nachzukommen.

Mein Schmerz saß tief. Nicht nur finanziell, sondern auch seelisch. M. war mal mein bester Freund gewesen. Ich hatte ihm vertraut und sogar auch Schläge für ihn eingesteckt. Und nun tat er mir so etwas an und ließ mich gnadenlos ins Messer laufen. Ich empfing zugleich aber auch keinerlei Dank für meine Unterstützung oder gar Reue für das, was bisher vorgefallen war.

Inzwischen stand ich finanziell mit dem Rücken zur Wand. Ich hatte seinen Teil der Miete schon zu lange mitgetragen. Mein Dispo war ausgereizt und ich stand kurz davor, nicht mal mehr meinen eigenen Teil der Miete bezahlen zu können.

Ja, ich weiß es selbst, ich bin ein viel zu gutmütiger Mensch. Bereits Wochen zuvor fragte mich ein anderer sehr guter Freund, ob er mir Geld leihen soll, damit ich über die Runden komme. Ich lehnte ab, weil ich nicht mit so viel Geld in der Kreide stehen wollte. Doch nun war der Moment gekommen, an dem ich keine Wahl mehr hatte. Ich telefonierte mit A. und schilderte die Situation. A. und P. waren sofort bereit, mir das nötige Geld zu leihen. Das war ganz schön viel. Und gut ging es mir nicht dabei. Aber es sollte mir die Wohnung retten.

Gleichzeitig stellte A. mir einen Kontakt zu einem befreundeten Anwalt her, der auf Mietrecht spezialisiert ist. Nach kurzer Prüfung übernahm er das Mandat vorerst kostenfrei. Das bedeutete, dass die Anwaltskosten nicht im Vorfeld von mir ausgelegt werden mussten, sondern einfach mit in die Forderung gegen M. einflossen. Das war gut für mich. Der Anwalt setzte sogleich ein Schreiben auf, in dem der Mietvertrag mit M. gekündigt wurde und setzte ihm einen Frist zum Auszug.

Natürlich wurde diese Frist nicht eingehalten. Im Gegenteil: M. erhielt das Schreiben regulär per Post und warf mir vor, ich würde ihn ungerecht behandeln und ich könne ihn doch nicht rausschmeißen. Doch, ich konnte. Und zwar mit Recht. Und ich hätte sogar schon viel früher gekonnt und gemusst.

Die Frist zum Auszug ließ M. verstreichen, weil er keine Ahnung hatte, wo er hin sollte. Die hatte ich auch nicht, aber inzwischen war es mir egal, ob er unter eine Brücke schlafen würde müssen. Ich gönnte ihm nicht mal mehr den Dreck unter seinen Fingernägeln.

Nach der fristlosen Kündigung und Verstreichen der Frist erging eine Räumungsklage. Als “Vermieter” konnte ich ein Pfandrecht ausüben. Das bedeutet, ich konnte einzelne Gegenstände von Wert pfänden und somit beanspruchen. Diese Gegenstände durfte M. nicht mitnehmen. Viel war es nicht. Es handelte sich um einen billigen Schreibtisch, einen Wäscheständer und einen billigen Schreibtischstuhl. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Im Dezember verließ M. die Wohnung endgültig und kündigte zudem seinen Job im Getränkemarkt. Er kam in einer Sozialeinrichtung unter und bezog wieder Hartz IV. Da die Einrichtung dieses Geld jedoch für Unterbringung und Verpflegung einbehielt, blieb M. nur noch ein kleines Taschengeld, von dem er nun die Schulden abzahlen musste. Mein Anwalt vereinbarte mit M. eine Ratenzahlung von 5 € pro Monat.

Ernüchternd, denn die Abzahlung würde dadurch über 16 Jahre dauern. Der Aufenthalt in der Sozialeinrichtung war jedoch auf ein Jahr begrenzt. Danach musste er sich wieder eine Wohnung suchen. Mit dem Anwalt war vereinbart, dass die Rate ab dann auf 35 € pro Monat angehoben werden würde.

Tja, das klappte nur kurz, dann stellte M. die Zahlungen ein. Ich rechne nicht damit, dass ich das Geld je wieder sehe und bin um eine negative Erfahrung reicher. Ich habe M. seit dem auch nicht mehr wieder gesehen.

Darüber bin ich irgendwie auch froh, denn ich gönne ihm absolut nichts!

Nach M.’s Auszug musste ich sein Zimmer mehrere Wochen lüften, um den Gestank seiner schmutzigen Wäsche aus dem Raum zu bekommen. Doch es half nichts. Erst das Erneuern der Tapete und neues Streichen konnte den Geruch weitestgehend eindämmen. Denn M. duschte nur sehr selten und auch seine Kleidung bekam die Waschmaschine nicht allzu oft zu Gesicht.

Warum ich darüber blogge?
Es ist inzwischen bald Ende 2018 und M. könnte seine Schulden inzwischen vollständig abgezahlt haben. Könnte …

Inzwischen sind lediglich 125 € beglichen, was noch nicht mal die außergerichtlichen Anwaltskosten von ~200 € deckt.

Unterm Strich bleibt nur zu sagen, dass M. ein rücksichtsloser und wahrhaft schlechter Mensch ist…


Manche Leser hier kennen mich persönlich und vermutlich in Teilen auch diese Geschichte. Manche Leser wissen vermutlich genau, wer M. ist. Manche sind mit ihm noch auf Facebook befreundet. Aber vielleicht überdenkt ja der ein oder andere nun auch seine Freundesliste.


Update am 21.11.2018:
Nach Rücksprache mit meinem Anwalt haben wir das Verfahren nun eingestellt. Mein Anwalt legte mir diesen Schritt nahe, da ein weiteres Aufrechterhalten, nur weiter Kosten, aber kein Ergebnis nach sich ziehen würde. Damit muss ich mich nun abfinden. Das Einzige was mir dabei hilft, ist die Tatsache, dass ich eine wundervolle Familie und einen Job habe und es mir an sich relativ gut geht, während M. in einer Sozial-Wohngruppe von Hartz4 lebt und vermutlich Monat für Monat hungert, weil er sein gesamtes Geld mal wieder am ersten Tag des Monats ausgegeben hat.

Möge er in der … ach, was solls …

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