Sind wir mal ehrlich, keiner hätte dieses Jahr damit gerechnet, dass Deutschland beim ESC einen der vorderen Plätze einheimst. Und auch die Jahre davor war das nicht anders.

Gewonnen hat schließlich Portugal.

Warum? Nun, das erschließt sich auch mir nicht. Aber es ist sonnenklar, warum Levina (Foto oben) absolut nichts reißen konnte.

Schauen wir uns doch mal einige Aspekte genauer an:

1. Song

Dass “Perfect Life” im ersten Moment genau wie “Titanium” von David Guetta klingt, hätte jedem sofort auffallen müssen. Bereits beim Vorentscheid hätte man das nicht zulassen dürfen.

Dazu ist das Lied leider seelenlos und hat keinen Ohrwurmcharakter. Balladen können erfolgreich sein, aber vermutlich stehen unsere Chancen besser, wenn wir einen echten Gute-Laune-Macher an dem Start bringen.

Der Song sollte eingängig sein, er sollte sich wie ein Ohrwurm festsetzen und dabei gute Laune machen.

Wir müssen aufhören, damit punkten zu wollen, was vorher schonmal funktioniert hat. Nehmen wir mal das Beispiel Cascada. Im Jahr zuvor gewann Loreen absolut verdient mit Euphoria. Im Jahr darauf versucht es Cascada in genau dem gleichen Stil. Schließlich hat Loreen damit ja auch gewonnen.

Erfolgreiches zu kopieren bringt nicht zwangsläufig Erfolg. Es hat damals auch nicht viel gebracht, Lena noch einmal zum ESC zu schicken.

2. Bühnenshow

Boah, wie langweilig war das denn? Levina lag zu Beginn auf dem Boden und richtete sich dann auf. Das wars. Im Grunde stand das Mädel alleine auf der Bühne und sang. Nicht mehr und nicht weniger.

Andere Länder geben sich richtig Mühe, nicht nur nen guten Song, sondern auch eine beeindruckende Bühnenshow auf die Beinen zu stellen.

Als Beispiel nehme ich da mal Andrey Lazarev her. 2016 hat er mit “you’re the only one” einen tollen Song mit einer effektgeladenen Show abgeliefert.
Er interagiert mit der Leinwand und besteigt diese sogar auf “magische” Weise.

Oder

Måns Zelmerlöw aus Schweden. Auch er hat 2015 mit Projektionen interagiert und mit einer eingängigen Hymne gewonnen. “Heroes” hieß der Titel.

Es müssen aber nicht immer nur Projektionen oder Effekte sein. beim diesjährigen ESC haben die Schweden und die Moldawier dies unter Beweis gestellt.

Robin Bengtsson hat auf der Bühne Laufbänder aufstellen lassen. Die Tanzchoreographie hat diese Laufbänder komplett eingebunden, was einen schönen Effekt geboten hat.

Auch das Sunstroke Project aus Moldawien hat eine tolle Performance hingelegt. Und der Song “Hey Mamma” ist ebenfalls sehr eingängig und macht Laune. Dies war mein Favorit beim diesjährigen ESC.

Das Sunstroke Project war bereits 2010 beim ESC und auch damals waren sie für mich mit “Run away” weit vorne. Serghei Stepanov ging danach als “Epic Sax Guy” in die Internetgeschichte ein.

All das haben wir bzw. Levina nicht. Und das ist schade. Deutschland konnte bisher 2 Siege einfahren. Beide waren jetzt nicht geprägt von epischer Performance. Hier waren andere Faktoren ausschlaggebend.

Nicole hat 1982 mit “ein bisschen Frieden” die Herzen berührt. Und mehr war damals beim ESC auch nicht nötig. Das waren andere Zeiten.

Bei Lena war es 2010 einfach ihre Art. Sie war niedlich und deshalb wurde sie geliebt. Sie hat also weniger wegen des Song oder der Performance gewonnen, sondern weil sie überall beliebt war und als das Küken galt. Etwas, das Levina nicht für sich verbuchen konnte. Und das sollte auch für einen Song Contest nicht ausschlaggebend sein.

Wir haben durchaus talentierte Musiker und Musikproduzenten in Deutschland. Diese Kompetenz sollte sich durchaus Bündeln lassen um etwas auf die Beine zu stellen, das uns zum Sieg verhilft.

Und es muss ja auch kein Sieg sein. Es ist schon ein Fortschritt, wenn wir nicht auf den letzten Plätzen herumdümpeln. Eine Platzierung im vorderen Drittel und im Bewusstsein der Zuschauer bleiben, ist auch nicht verachtenswert.

Stefan Raab hat von so etwas Ahnung. Man sollte ihn nur lassen. Wenn er überhaupt noch will…

Foto: Alina Vozna