Meine Nichte hat sich zum Geburtstag eine Toniebox gewünscht. Was mag das wohl sein?

Es handelt sich dabei um ein würfelförmiges Gerät mit Ohren, in verschiedenen Farben und mit einer weichen Außenhülle aus Kunstleder. Das Prinzip erscheint zudem kinderleicht: Man stellt eine Tonie-Figur auf die Box und diese beginnt, ein Hörspiel abzuspielen. Stellt man also eine Benjamin Blümchen Figur darauf, ertönt ein Benjamin Blümchen Hörspiel. Die Lautstärke lässt sich durch Drücken der Ohren an der Box regeln. Zum Pausieren nimmt man die Figur einfach wieder herunter.

Das klingt alles relativ easy und perfekt für Kinder. Doch wenn man sich das System genau ansieht, erkennt man Schwächen. Zunächst ist für den Betrieb W-LAN und ein Internetzugang erforderlich. Denn die Hörspiele sind keineswegs auf den Figuren gespeichert, sondern in der Cloud. Stellt man eine Figur erstmals auf die eigene Toniebox, erkennt diese den NFC-Chip im Fuß der Figur und lädt das entsprechende Hörspiel aus dem Internet herunter in den internen Speicher der Toniebox. Von da an kann das Hörspiel auch offline gehört werden.

Der interne Speicher fasst sehr viele Hörspiele (genaue Angaben fehlen leider), sodass es hier nicht so schnell zu Engpässen kommen sollte. Falls doch, löscht die Toniebox die Hörspiele, die am seltensten gehört werden. Doch genau darin liegt gleichzeitig das größte Problem: Die Toniebox funktioniert nur solange einwandfrei, wie es der Betreiber zulässt. Sollte die Boxine GmbH ihr Geschäft irgendwann einstellen oder entscheiden, die Tonie-Cloud nicht mehr anzubieten, wird es nicht mehr möglich sein, neue Figuren auf der Box zu registrieren.

Ein weiteres Problem: Die passenden Figuren werden ausschließlich von Boxine hergestellt und angeboten. Es gibt zwar viele bekannte Hörspielfiguren, wie z.B. das kleine Gespenst, Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und viele andere, doch es gibt keine weiteren Anbieter. Das gesamte Tonie-Universum liegt somit vollständig in der Hand EINES Herstellers. Da lassen sich die Preise leicht diktieren. Und die sind stolz! Eine Toniebox kostet bei Amazon derzeit etwa 76,15 €, was schon nicht ganz billig ist. Eine passende Figur kostet dann nochmal stolze (Nicht verfügbar) bei Amazon. Im Handel (z.B. bei Thalia) kosten diese etwa um die 15 €.

Zum Vergleich: Eine Hörspiel-CD von z.B. Benjamin Blümchen kostet hingegen 4,99 € und kann mit jedem CD-Spieler abgespielt werden. Noch dazu gehört einem die CD dann und sie kann unbegrenzt abgespielt werden, unabhängig davon, ob der Hersteller noch existiert. Es gibt zudem auch noch verschiedene Kreativ-Tonies, welche geringfügig günstiger sind (etwa 12-13 € bei Thalia). Allerdings beinhalten diese Figuren keinen Inhalt. Dieser muss über eine App oder den Browser am PC selbst aufgesprochen oder aufgespielt werden. Hierfür hat man 90 Minuten “Speicherplatz” in der Toniecloud. Man muss hier also noch selbst tätig werden und ein Buch vorlesen oder Hörspiele “anderweitig” beschaffen.

Man mag nun argumentieren, dass man für den Preis ja auch eine handbemalte Spielfigur bekommt. Ja, das stimmt. Die Figuren sind hübsch und tatsächlich handbemalt. Aber spielen kann man damit nicht, denn die Figuren sind starr. Und während des Hörspiels kann man damit auch nicht spielen, denn dafür muss die Figur dauernd auf der Toniebox verbleiben. Das klingt für mich nicht zu Ende gedacht.

Die Toniebox könnte auch unterwegs genutzt werden, aber dafür ist sie einfach zu groß und zu unhandlich. Besonders, wenn die Figur ja auf der Box stehen bleiben muss. Die halten zwar magnetisch, aber nicht so stark, dass man die Box in einer Tasche transportieren könnte, ohne dass die Figur flöten geht.

Letztlich hat meine Nichte die Toniebox bekommen, weil jemand anderes sie gekauft hat. Aber nach genauerer Betrachtung, würde ich dieses Gerät nicht unbedingt empfehlen. Die Nachteile überwiegen gegenüber den Vorteilen einfach zu sehr.