Netta aus Israel beim ESC 2018

Eurovision Song Contest 2018

Ich habe mir nun etwas Zeit genommen um den letzten ESC ein wenig zu reflektieren. Denn meine Meinungen vor, während und nach dem ESC sind dieses Jahr durchaus unterschiedlich gewesen.

Im Vorfeld hab eich unserem Kandidaten Michael Schulte kaum Chancen eingeräumt. und mich diesmal zudem auch im Vorfeld nicht über die anderen Kandidaten informiert. Ich ging also völlig unvoreingenommen in diesen ESC, wenn man mal von meiner Meinung über Michael Schultes Lied absieht.

Nach dem Vorentscheid hatte ich mich sehr über Schultes Sieg geärgert, weil ich persönlich andere Teilnehmer als Favoriten hatte. Inzwischen musste ich mir aber eingestehen, dass ich vermutlich nicht alle Aspekte des Songs bedacht hatte. “You let me walk alone” ist ein sehr gefühlvoller Song und im Gesamtbild betrachtet, der vermutlich ehrlichste im Wettbewerb um den deutschen Platz beim ESC. Das ist vermutlich auch der Grund für unseren grandiosen 4. Platz, den ich uns zu Beginn nicht zugetraut hätte. Dennoch bin ich froh, dass wir nach langer Zeit wieder ein Platzierung haben, bei der es auch noch Plätze nach uns gibt.

Wie jedes Jahr bewerte ich jeden Betrag während des ESC für mich selbst. Dabei entstehen natürlich auch eigene Favoriten. In dieser Tabelle bewerte ich jeden Auftritt nach 3 Gesichtspunkten von 1-10. Dabei entsteht dann eine Gesamtpunktzahl und eine entsprechende Platzierung. Natürlich spiegelt das nur meine eigene Meinung wieder.

Für mich war z.B. Tschechien ein Favorit. Der Song war modern und Cool und auch die Darbietung konnte sich sehen lassen. Und auch Dänemark fand ich nicht schlecht, auch wenn der Song leicht weichgespült war.

Gewonnen hat schließlich Netta mit Toy. Zugegeben, ich war im ersten Moment leicht verstört. Denn der Beitrag ist etwas … sagen wir … außergewöhnlich. Ich wollte Ihr schon fast ein Pflaster bringen lassen (Text: RRaa, Autsch), doch beim “Chicken-Move” hab ich dann eher auf geistige Verwirrung getippt.

Nachdem ich mich inzwischen ein wenig mit dem Song beschäftigt hatte, ist der Sieg durchaus nachvollziehbar. Netta zeigt sich nicht nur außergewöhnlich, auch Ihre Musik ist es. Dabei spricht sie vermutlich vielen Frauen aus der Seele. In “Toy” beschreibt sie sich als Starke Frau, die sich von Männern nicht wie ein Spielzeug behandeln lässt und auch für sich selbst stehen kann. Besonders in Zeiten von #MeToo durchaus eine aktuelle Hymne für die Frauen.

Der Titel besticht nicht nur durch seinen Rhythmus, sondern auch durch die arabisch angehauchten Klänge.

Insgesamt bin ich mit dem diesjährigen Ergebnis zufrieden. Platz 4 für Deutschland ist super und es sollte doch wohl zu schaffen sein, diesen Schnitt zu halten. Ob das klappt, werden wir nächstes Jahr vermutlich in Jerusalem* sehen.

Fun Fact:
Israel richtet nach dem Jahr 1979 und 1999 jeweils in Jerusalem nun wieder exakt 20 Jahre später im Jahr 2019 den ESC aus. Obwohl Israel als Sieger des Contest im eigenen Land 1979 auch im Jahr 1980 den Wettbewerb hätte ausrichten sollen, verzichtete es jedoch aus finanziellen Gründen darauf. Stattdessen fand der ESC 1980 in Den Haag statt.

Titelbild: © Lauren Outerson, EuroVisionary Foto: Fanclub Michael Schulte (07.10.2012, Essigfabrik, Köln) * Austragungsort 2019 nach heutigem Stand noch nicht bestätigt

4 Kommentare

  • Seitdem das keine (TeleVoting-)Demokratie mehr ist, sehe ich das schon aus Prinzip nicht mehr.

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    • Das war es noch nie. Der Sieger wurde schon mir aus Jury UND Zuschauer-Voting bestimmt. Inzwischen sogar zu jeweils 50%.

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      • Doch in den 2000er-Jahren lief es in den aller meisten teilnehmenden Ländern ausschließlich über TeleVoting.
        Zitat Wikipedia:
        “1997 wurde in Deutschland, Schweden, Österreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich zum ersten Mal das Televoting ausprobiert, das beim Publikum auf große Begeisterung stieß. Schon 1998 wurde die Jury durch das neue Wertungssystem abgelöst. Nur wenige Länder, wie Russland und Ungarn, wo es aus technischen Gründen nicht möglich war, führten das Televoting erst etwas später ein. Die Publikumsstimmen wurden ins „douze points“-System übertragen und so vergeben.
        Zwischen 2009 und 2015 wurden die Punktzahlen, die jedes Land vergibt, zu 50 % durch Telefonabstimmung und zu 50 % durch eine fünfköpfige Jury bestimmt. “

      • Ich meine man hat 2009 die Jurys wieder hinzugenommen, weil man meinte, es würden zu oft osteuropäische Länder gewinnen. Ganz genau kenne ich die Geschichte dazu aber auch nicht mehr.

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