Der Fluch des Deko-Wahns

Wer kennt es nicht? Das eigene Heim der aktuellen Jahreszeit oder beliebigen Feiertag anpassen. Oh, welch schöne Gärten, Wohnungen, wahlweise auch Gräber man da findet. Oder welche des grausigen Geschmacks und des unübertreffbaren Kitschs. Leider ist es in solchen Fällen oft wie bei einem Unfall. Der Anblick ist schockierend, aber man kann einfach nicht wegschauen.

Ich bin jetzt nicht so der extreme Dekofanatiker, aber kleine Jahreszeiten-Anzeiger findet man auch in unserem Haushalt.

Nach der grauen dunklen Jahreszeit zum Frühling hin giere ich beispielsweise nach hellen, freundlichen Frühjahrsboten. Kunterbunte Tulpen kommen des öfteren auf den Tisch (natürlich meist in Vasen und nicht zum Verzehr), das lautlose Haustürwindspiel mit floralem Muster und pastelligem Grün, Rosa und Blau wird rausgehängt und zu Ostern verirrt sich das ein oder andere Schaf aufs Regal – wobei, die stehen da ganzjährig. Ich mag nämlich Schafe.

Deko im VorgartenDie Sommerdeko beschränkt sich nahezu ausschließlich auf Blumen im Garten oder den ein oder anderen Strauß auf dem Wohnzimmertisch. Der Beetdrache aus blau glasiertem Ton und die Vogeltränke, sowie das bunte dem Kind geschuldete Windrädchen. Vor der Haustür hängt immer noch das lautlose Windspiel und auf der Terasse hängt ein türkises Glas mit Teelicht.

Bloomingville Deko Ananas GoldDer breiten Allgemeinheit stehen hier weitere aktuelle Trends zur Verfügung. Glitzerndes pinkes Einhorn, goldene Ananas oder aktuell Flamingo und Kaktus – Aufblasbar, in Hartplastik, Glas oder Keramik, oder in Gold als Lampenfuß – für jeden ist was dabei.. wer’s mag…

Im Herbst kommen dann kleine Porzellankürbisse vor die Haustür aufs Fensterbrett. Mir selbst gibt Halloween nix, aber den Nachbarskindern, also gibts nen beleuchteten Kürbis vor die Tür. Das Windspiel wird ausgetauscht, jetzt hängt da wahlweise eine Eule oder ein Igel in warmen Herbstfarben.

Und dann kommt der Winter…

Ich hab da ja nur ein paar überschaubare Figuren wie Engel und Rentier, sowie einen Kranz vor der Haustür. Im vergangenen Winter überkam mich urplötzlich Frust, weil im Wohnzimmer mit den wenigen Figürchen einfach nicht genug Weihnnachtsstimmung zum 1. Advent verbreitet wurde.

Zum Glück war Samstag und mein Mann fuhr mit mir zum “orangenen Biber”, damit ich dem ersten mächtigen Schwangerschafts-Nestbautrieb nachgeben konnte. Wir kauften einen länglichen Advents”kranz” und passende Kugelkerzen. Dieser wurde zuhause mit dickem flauschigen Moos aus dem Garten sowie gekauften weißen Glitzereiskristallen und türkisen (jaaa… unsere Schwäche! Türkiiiis) Minikugeln bestückt und DAS reichte mir dann völlig aus.

Advents-"Kranz"

Natürlich kommt kurz vor Heilig Abend noch der obligatorische Weihnachtsbaum in verschiedenen Farben, aber mit einfacher, warmweißer Beleuchtung.

Aaaaber die Weihnachtszeit fängt im Einzelhandel mittlerweile ja bereits zusammen mit der Herbstzeit an und ab da beginnt der Wahnsinn, die Menschheit flippt völlig aus und die Vernunft macht Urlaub auf den Malediven… oder so.

Neben der üblichen Deko, wie Engel, Nikoläuse, Kerzen, Tannengrün und Christbaum bzw. die dafür gedachten Kugeln, sowie besinnliche Lichterketten gibt es seit einigen Jahren den mir nicht begreifbaren amerikanschen Trend zu größer, greller, höher, bunter, kitschiger. Pinke, weiße, blaue glitzernde Plastikbäume, glitzernde, blinkende, lärmende und/oder tanzende Rentiere und Weihnachtsmänner, Gurken, Autos, nackte Männer und Frauen aus Glas oder Kunststoff, Möpse, Katzen oder fliegende Schweine… Man kann sich alles in den Christbaum hängen. Riesige Plastikfiguren, wahlweise beleuchtet und/oder mit ohrenbetäubenden Klingeling-Sound, für Vorgarten oder Dach, Discofeeling auf dem Balkon, am Fenster, im Baum…. immer eins mehr, als der Nachbar, die Stromrechnung steigt ins Unermessliche, die Vögel beginnen aufgrund der langanhaltenden Helligkeit mit dem Nestbau, das Elektrizitätswerk überhitzt, was soll’s?

 

Als Autofahrer oder Nachbar muss man teilweise schon damit rechnen, einen epileptischen Anfall zu bekommen oder als Flugzeugkapitän darauf achten, dass man nicht versehentlich in der Auffahrt von Müllers landet statt am Airport.

Das ist doch mehr Jahrmarkt und nicht mehr beschauliche Weihnachtszeit.

Und bei all dem Dekowahn… Waruuumm?? UND WO PACKT MAN DIESE EXORBITANTEN MENGEN DEN REST DES JAHRES HIN?! … Und wer findet das im nächsten Jahr wieder? Sauber? Entwirrt? Vollständig? Und betriebsbereit? Gegebenenfalls mit dazugehörigem Stecker? Ich hab im Keller und Speicher einige Stecker, von denen ich dummerweise nicht mehr weiß, zu welcher (und noch vorhandenen?) Leuchtdeko sie gehören. Ich heb sie mal auf, man weiß ja nie….

Wie steht ihr zu Deko? So viel wie möglich, gesunde Mischung oder in homöopathischen Dosen?
Habt ihr vielleicht Klein-Amerika in der Nachbarschaft und könnt nur mit Sonnenbrille oder heruntergelassenen Rollos überleben?

Sagt’s oder zeigt es mir mit Bildern, geteiltes Leid ist halbes Leid! 😀

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