Das Ende vom ECHO

Seit 1992 wurde jährlich der ECHO verliehen. Ein angesehener Musikpreis von der Deutschen Phono-Akademie, dem Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie.

Seit meiner Jugend verfolgte ich die Verleihungen gerne und freute mich mit, wenn der Preis an einen Künstler ging, den ich selbst gut fand. Auch optisch machte der Echo einiges her. Ein hübsches silbernes Ding, welchem man seinen Namen sogar ansah. So einen ECHO stellte man sich gerne ins Regal. Wenn man denn einen bekam.

Während der ECHO Jazz und der ECHO Klassik durch eine Jury entschieden wurde, richtete man sich beim ECHO Pop ausschließlich nach den Verkaufszahlen der letzten 12 Monate, welche durch die GfK ermittelt wurden.

Zu den Gewinnern zählen unter Anderem Silbermond, Udo Lindenberg, Andrea Bocelli, Robbie Williams, Rammstein und allen voran Helene Fischer, die mit 17 Echos die Liste anführt.

Doch nach der Verleihung im Jahr 2018 ist nun Schluss. Man stelle die Verleihung des ECHO nun ein, da die Marke und das Ansehen des Preises zu stark beschädigt sind. Glaubt man den Medien, haben vor allem Farid Bang und Kollegah daran Schuld.

Nachdem die beiden Rapper in diesem Jahr mit einem ECHO ausgezeichnet wurden, brach ein Shitstorm über die Veranstalter der Verleihung herein. Denn die Texte der sogenannten Gangster-Rapper sind gewaltverherrlichend und antisemitisch. So wird eine Textzeile aus dem Song “0815” als führendes Beispiel angeführt.

“Mein Körper definierter als von Auschwitz Insassen”

Nun, über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten. Ich selbst kann dem Gangster-Rap nichts abgewinnen, aber Kunst kann eben viele Formen haben. Doch ist es noch Kunst, wenn ganze Bevölkerungsgruppen beleidigt werden? Inzwischen besteht bereits Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Farid Bang und Kollegah.

Doch das ist nicht die einzige Kontroverse, die der Echo ausgelöst hat. So wurde im Jahr 2006 die Band Oomph! wieder ausgeladen, weil der Songtitel “Gott ist ein Popstar” im Kontext der öffentlichen Diskussion über Glaube, Religion und Mohammed-Karikaturen nicht zu Verantworten sei.

Die Band Frei.Wild wurde mehrfach nominiert und wieder ausgeladen, weil man der Band rechtes Gedankengut nachsagte. 2016 gab es dann eine Aussprache zwischen der Band und dem Veranstalter und Frei.Wild konnte in diesem Jahr einen ECHO entgegen nehmen.

Die Nominierung von Farid Bang und Kollegah brachte dann aber den endgültigen Absturz. Bereits im Vorfeld der Veranstaltung äußerte sich das internationale Auschwitz Kommitee zum geplanten Auftritt und verurteilte dies stark. Die Texte der Rapper seien „für alle Überlebenden des Holocaust ein Schlag ins Gesicht und ein für Deutschland beschämender Vorgang“.

Man mag es kaum glauben, aber beim ECHO gibt es auch einen Ethik-Rat. Dieser beschloss jedoch, den Auftritt zuzulassen, da Provokation ein wichtiges Stilmittel in der Rap-Szene sei. Ich muss allerdings Campino, dem Sänger der Toten Hosen, Recht geben: Wenn die Provokation frauenfeindlich, homophob, rechtsextrem oder antisemitisch ist, dann ist die Grenze der Kunst definitiv überschritten.

Auch wenn ich absolut kein Verständnis für antisemitische Texte habe, sehe ich die Schuld nicht alleine bei Farid Bang und Kollegah. Der Veranstalter selbst ist ebenso schuld. Denn dieser hätte bereits im Vorfeld einschreiten müssen und Auftritte dieser Art nicht tolerieren dürfen.

Zahlreiche Preisträger distanzieren sich inzwischen vom ECHO. Einige gaben ihre Preise sogar zurück. Marius Müller-Westernhagen und Barenboim besaßen beide jeweils 8 ECHOs, welche sie nun alle zurückgegeben haben. Das Nostos Quartett gewann den Echo Klassik im letzen Jahr und gab diesen nun ebenfalls zurück, weil „Dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet“ und die Echo-Trophäe nun „nichts mehr als ein Symbol der Schande“ sei.

Nachdem das Ansehen des ECHOs nun so stark beschädigt ist, sei nun ein Neuanfang erforderlich. Die Gremien hinter dem ECHO Klassik, ECHO Jazz und ECHO Pop stellen damit ihre Arbeit ein.

Nun bleibt abzuwarten, ob es irgendwann eine Neuauflage des ECHO geben wird. Möglicherweise unter anderem Namen und mit anderen Vergaberichtlinien.

Fotos: Elvir Omerbegovic, Selfmade Records, Pistenwolf

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