Enke tot – und wer denkt an die Anderen?

Written by Dominik Sichling on 12. November 2009 – 18:27 -

Ich bin kein Fußballfan und dennoch war ich bestürzt, als ich vom Freitod des National-Keepers Robert Enke erfahren habe.

Meine Gedanken waren: “Oh, von einem Zug erfasst.” “Es war Selbstmord? Au weia!” “Warum könnte sich ein Fußballer umbringen?” (Ohne vorher zu wissen, welchem druck er ausgesetzt ist/war.)

Doch meine weiteren Gedanken galten den Zugführern. Diese beiden Menschen müssen ren Rest ihres Lebens damit leben, einen Menschen getötet zu haben. Freilich kann man den Lokführer keinen vorwurf machen, war es doch Enkes Wunsch zu sterben und das hätten die Zugführer nicht verhindern können.

Was aber wesentlich schlimmer ist: Um die Zugführer schert sich keiner. Die Presse schon garnicht, denn ein bekannter, toter Fußballspieler ist natürlich schon Sensation genug.

Frank Wallitzek ist Radiomoderator und hat als einer der Ersten seine eigene Meinung publik gemacht und auf  “die anderen Opfer” hingewiesen.

Warum spricht keiner über die Opfer, die ein Leben lang mit dem Gefühl leben müssen, einen anderen Menschen getötet zu haben – die Lokführer?
Robert Enke hat diesen Tod für sich selbst gewählt – und mich ärgert ein bißchen, dass – egal welche Sendung ich gucke oder höre – keiner über die spricht, die hier keine Wahl hatten.

Genau so sehe ich das auch. Es mag hat klingen, aber Enke bleibt tot, daran kann man nichts mehr ändern. Schlecht geht es jetzt nur noch seiner Frau und dem Kind und den Lokführern, du unter Umständen kein Führerhaus eines zuges mehr besteigen werden. Einer der Lokführer war noch neu und wurde gerade in die Strecke eingewiesen. Die beien Männer müssen nun damit leben, auch wenn sie nichts dafür können und Enke sie mit in sein Elend gezogen hat.

Es macht den Freitod nicht besser oder erträglicher, wenn jemand für sich allein Stirbt. Doch jemand anderes da mit hineinzuziehen ist absolut nicht OK. Wäre Enke noch am Leben wäre es ihm mehr als nur übel zu nehmen.


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